Der Moment an dem ich plötzlich fast mitten in diesem Szenario stand war für mich sehr bewegend und es ist schwierig so etwas aussergewöhnliches in Worte zu fassen.
Ich kann nur meine eigenen Eindrücke schildern und das, was mir erzählt wurde:
In Varanasi werden am Burning Ghat tagtäglich, 24h lang Leichen verbrannt. Nicht nur Menschen aus Varanasi sondern auch viele andere, deren Leichen extra nach Varanasi gebracht werden um im heiligen Fluss (Ganges) ihre Ruhe zu finden.
Wir drei Mädels sind von einem Einheimischen zum Burning Ghat gelotst worden. Plötzlich stand ich zwischen Meter hohem geschlichtetem Holz, rund um uns Rauch und geschäftiges Treiben. Waagen, mit denen das Holz abgewogen wurde. Je nach Kilogramm der Leiche braucht man soundso viele Kilo Holz...
Von einem Tempel aus konnten wir dann einen Blick auf die Scheiterhaufen werfen, auf denen die Leichen verbrannt werden. Sicher um die zwölf Feuer, manche von ihnen fast schon abgebrannt andere gerade aufgebaut (eine Leiche braucht ca. 3h bis sie vollkommen verbrannt ist).
Überall standen Trauernde um die Feuer herum, um sich von dem/der Angehörigen zu verabschieden. Dazwischen liefen Männer die Holz trugen, Tiere, spielende Kinder...
Es war so ein geschäftiges Treiben und hat so unwirklich auf mich gewirkt.
Die Leichen wurden auf Bahren mit goldenen Tüchern und Blumen bedeckt herbeigetragen, in den heiligen Ganges getaucht und auf die Scheiterhaufen gelegt.
Ich war einfach so überfordert, dass alles hautnah zu erleben.
Vor allem wenn man die weißbandagierten Körperformen verbrennen sieht...so nahe dabei...
als wir ein zweites Mal am Burning Ghat waren, hab ich die Hitze gespürt (wir standen näher) und den Rauch...
Beim Zurückgehen zum Bahnhof wäre ich in den engen Gassen fast zweimal mit einem Leichenzug zusammengestoßen...da geht man einfach und plötzlich streifst du beinahe an der Bahre die aus dem Nichts zu kommen scheint und von ein paar Indern getragen wird.
Ich hab in Varanasi einen ganz andern Umgang mit dem Tod gelernt. Viel selbstverständlicher und in die Gesellschaft integriert.
Aber ich glaube so ganz ist es mir nicht bewusst, was ich gesehen habe.
Noch ein paar Details für Interessierte:
- es gibt einen zweiten Burning Ghat, ein elektrischer. Dieser wurde zur Entlastung des einen mit Holzfeuer und zur Umweltschonung gebaut... Leider wird dieser wenig genutzt, diese Weise der Verbrennung entspricht nicht der Tradition wurde uns erklärt.
- es gibt fünf "Arten" von Menschen die nicht verbrannt werden, sondern mit einem Ruderboot in die Gangesmitte gerudert und mit einem Stein versenkt werden:
- Holy men
- Schwangere
- Kinder
- von der Kobra gebissene
- Lepra kranke
- diese im Ganges versenkten Leichen tragen auch zur Verschmutzung bei und es ist ein komisches Gefühl, wenn man die Menschen durch den Fluss schwimmen sieht, wo man weiß, was auf dem Grund zu finden ist...
(übrigens das Fotografieren am Burning Ghat ist seit einigen Jahren verboten)










